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Das ganze 19. Jh. hindurch erlebte Bromberg einen wirtschaftlichen Aufschwung, der das architektonische Stadtbild deutlich veränderte. Zu einem Durchbruch kam es 1851, als die erste Bahnstrecke und der Bahnhof der Stadt in Betrieb genommen wurden.

Bromberg breitete sich territorial aus und seine Bevölkerungszahl stieg. Die Blütezeit der Industrie und des Handels sowie der wachsende Wohlstand der Bürger unterstützten das immer intensivere Bauwesen. Die hervorragend erhalten gebliebene städtebauliche Anlage, die den Prozess der Umwandlung einer kleinen Stadt in ein Industrie- und Handelszentrum zusammen mit einem enormen, vielfältigen Komplex bürgerlicher Bebauung aus der zweiten Hälfte des 19. und von Anfang des 20. Jh. widerspiegelt, ist der Stolz des gegenwärtigen Bromberg.

Ein Spaziergang in der Bromberger Stadtmitte ist ein hervorragender Anlass, um die Änderungen wahrzunehmen, die sich innerhalb von ein paar Jahrzehnten in der Architektur vollzogen. Aus der zweiten Hälfte des 19. Jh. stammen zu jener Zeit moderne Gebäude mit neoklassizistischen Formen. Ihre Fassaden zeichnen sich durch Gleichgewicht und Statik wie auch durch eine einfache Komposition und sparsame Verwendung von architektonischen Details aus. Aus dem ausgehenden 19. Jh. sind an den Hauptstraßen prachtvolle Bürgerhäuser und weit vom Zentrum entfernt bescheidenere Mietshäuser erhalten geblieben. Firmeneigentümer, Handwerker, Kaufleute und Beamte bebauten damals die Vorstadt mit Häusern und Industrieobjekten. Die wachsende Einwohnerzahl begünstigte den Ausbau der Infrastruktur der öffentlichen Gebäude, und zwar hauptsächlich der Bildungs- und Sakralbauten. Zu jener Zeit dominierten in der Architektur alle möglichen Maskeraden des Historismus. Bei diesem handelt es sich um eine Strömung, welche aus der Gotik, der Renaissance, dem Manierismus, dem Barock und dem Rokoko entlehnte Motive schöpferisch nutzte. Im Stadtbild sind ebenfalls Beispiele der malerischen Strömung aus dem Ende des 19. Jh. zu sehen, die in Form von Bürgerhäusern mit charakteristischen, asymmetrischen Fassaden vertreten ist. Diese zeichnen sich durch Licht-und-Schatten-Systeme wie auch durch Risalite, Erker, Loggien sowie Dreiecks- und Treppengiebel aus. Die großstädtischen Bürgerhäuser aus dem Beginn des 20. Jh. gehören dagegen zwei stilistischen Strömungen an: dem Jugendstil und der frühen Moderne.


Charakteristisch für Bromberg ist, dass die hiesigen Objekte trotz der europaweiten Popularität des Jugendstils gegen 1900 die für den Jugendstil typische Verbindung der architektonischen Form mit einer plastischen, elastischen Dekoration nicht vertreten. Modifiziert wurde das äußere Kostüm. Es wurde mit fließenden Pflanzenmotiven oder auch mit Masken langhaariger Frauen bereichert. Die auf den Jugendstil folgende Periode, die Zwischenkriegszeit, hinterließ in Bromberg bleibende Spuren in Form von zahlreichen Mietshäusern im Stil des Modernismus und des Funktionalismus.

Es ist empfehlenswert, die Besichtigung der Stadtmitte an der Maria-Himmelfahrt-Kirche  (auch Klarissenkirche genannt) zu beginnen. Sie beherbergte einst das Klarissenkloster. Im Innenraum, zu dem ein Portal im Stil der Neorenaissance (1925, Entwurf von Stefan Cybichowski) führt, sind Relikte von Fresken aus dem 17. Jh. zu bewundern. Sehenswert ist ebenfalls die hervorragend erhaltene Holzdecke aus den 40er Jahren des 17. Jh., die mit gemalten Rosetten verziert wurde. Diese sind so vielfältig, dass keine zwei Ornamente zu finden sind, die einander gleichen. Beachtenswert sind auch die Ausstattung aus den 20er Jahren des 20. Jh. und der Altar im manieristischen Stil. Im Inneren befindet sich auch ein Gemälde von Leon Wyczółkowski, welches den Heiligen Stanisław Kostka darstellt.

Als es 1834 zur Auflösung des Klosters kam, wurde die Klarissenkirche Eigentum der Stadt. Seither beherbergte das Gotteshaus eine städtische Waage und ein Spirituosenlager; 1872 wurde es in ein Feuerwehrhaus umgewandelt. Auf Initiative von Hermann Franke wurde die Chorempore von der Historischen Gesellschaft für den Netzedistrikt zu Bromberg genutzt. Die hier gesammelten und ausgestellten Sammlungen wurden zur Keimzelle des heutigen Museums.
Täglich um 9:00, 12:00, 15:00 und 18:00 Uhr ertönt aus dem Kirchturm das Bromberger Hejnał (polnisches Lied des Triumphes), das aus Anlass des 600. Jubiläums der Verleihung der Stadtrechte an Bromberg komponiert wurde.
Die Verzierung der Fassade des Hotels „Zum Adler“ birgt eine Porträtmaske, in der man jahrelang gemäß der These eines Kunsthistorikers das Gesicht des Hotelentwerfers entdeckt haben wollte. Heute weiß man bereits, wie Józef
Święcicki aussah, und die Frage, wen die besagte Maske darstellt, bleibt weiterhin ohne Antwort.

Nach Verlassen der Kirche begeben wir uns nach rechts in die Danziger Straße (Gdańska). Auf dem Weg passieren wir ein paar klassizistische Gebäude, unter denen sich das Haus Nr. 5 (Gdańska 5) auszeichnet, welches von Rudolf Kern umgebaut wurde. Seine Dekoration knüpft mit dem Fries mit stilisierten Schwänen an die Formen des Berliner Jugendstils an. In diesem Bürgerhaus mit dem charakteristischen goldenen Schwan befindet sich die „Schwanen-Apotheke“ . Sie ist hier seit 1853 ununterbrochen in Betrieb. Gehen Sie unbedingt hinein, um einen Teil der erhalten gebliebenen Einrichtung zu sehen und besichtigen Sie das einzigartige pharmazeutische Museum im Hinterzimmer. Wenn wir die Danziger Straße (Gdańska) weiter entlanggehen, sehen wir an der Kreuzung mit der Bahnhofstraße (Dworcowa) ein ehemaliges modernistisches Kaufhaus aus den Jahren 1910-1911 (Entwurf von Otto Walter aus Berlin). Bei seinem Bau wurde zum ersten Mal in Bromberg Stahlbeton eingesetzt. In der Zwischenkriegszeit hieß es Bromberger Be-De-Te-Kaufhaus und später jahrelang Kaufhaus „Jedynak“. Die Verzierung der Fassade besteht aus Statuen griechischer Göttinnen: Aphrodite, Eris, Hera und Athene. Im Tympanon dagegen ist über dem Schaufenster an der Ecke ein Relief mit Silenos zu sehen. An der Kreuzung der Danziger Straße (Gdańska 17) mit der Pommerschen Straße (Pomorska – eine aus dem Mittelalter stammende Straße) steht das in dieser Umgebung älteste zweistöckige Bürgerhaus aus dem Jahre 1853 (Entwurf von B. Brinkmann). Mit Zinnen gekrönt, ähnelt es einer befestigten Burg. Gegenüber dem Kaufhaus (Gdańska 14) fällt das Hotel „Zum Adler“ aus den Jahren 1892-1894 besonders auf. Der neobarocke Bau wurde von J. Święcicki entworfen. Wenn wir einen Blick in den Innenraum werfen, sehen wir ein prachtvolles Foyer mit Stuckarbeiten, Glasmalereien und vergoldeten, geschmiedeten Geländern. In dem Hotel hielt sich der polnische Marschall Józef Piłsudski 1921 für ein paar Stunden auf. 



Von hier aus begeben wir uns nach rechts in Richtung des Freiheitsplatzes (Plac Wolności) und kommen dabei an dem klassizistischen Bürgerhaus Nr. 16 aus dem Jahre 1882 (Entwurf von Carls Semphel) vorbei. Der das Stadtbild beherrschende Turm gehört zur Kirche der heiligen Apostel Petrus und Paulus (Entwurf des Berliner Architekten Friedrich Adler). Der Grundstein wurde 1872 gelegt. Die einst protestantische Kirche ist heute katholisch. Sie beschreibt den Grundriss eines lateinischen Kreuzes. Im geräumigen Innenraum fesseln die Glasmalereien im Presbyterium, ausgeführt im Kaiserlichen Institut für Glasmalerei in Berlin, die Aufmerksamkeit. Sie wurden von Kaiser Wilhelm I. gestiftet. Gleich neben der Kirche bezaubern weitere großstädtische Bürgerhäuser mit ihrer Schönheit. Das erste – neubarocke – wurde 1896 errichtet (Entwurf von J. Święcickiego) (Plac Wolności 1). Das zweite – auf der anderen Straßenseite (Gdańska 27)  (Sitz u. a. der Redaktion der Gazeta Wyborcza) – entstand 1908 im modernistischen Stil (Entwurf von Adolf Schleusener). Es birgt einen restaurierten Innenraum mit einem historischen Fahrstuhl, der bis heute in Betrieb ist.

Im weiter nördlichen Teil der Danziger Straße (Gdańska), an der Kreuzung mit zwei weiteren Straßen (Śniadeckich und Krasińskiego) steht ein Denkmal des berühmten Mathematikers und Kryptologen Marian Rejewski (Werk von Michał Kubiak), der während des Zweiten Weltkriegs einen großen Beitrag zur Entzifferung der deutschen Schlüsselmaschine Enigma leistete. An dieser Stelle können wir uns für eine von drei Besichtigungsvarianten in der Stadtmitte entscheiden.

Haben Sie das gewusst?

Das Gotteshaus wurde mit einem (zu jener Zeit) innovativen Heizungssystem ausgestattet. Dieses bestand aus einem Gasheizraum unter dem Presbyterium, zwei Heizautomaten und Wärmeverteilungskanälen.

Haben Sie das gewusst?

Bemerkenswert ist ebenfalls das grüne Bürgerhaus am Freiheitsplatz (Plac Wolności 3), an dem eine enorme Jeans hängt. Dieses einzigartige Werk des Bildhauers Piotr Wagner ist eine Hommage an den hervorragenden Grafiker und Maler Andrzej Nowacki. In diesem Haus hatte er über 50 Jahre lang sein Atelier. Die Skulptur spielt auf seine berühmte Reihe „Verjeanst“ an.

Variante I:
Diese Route führt weiter nach Norden. Die vielfältige architektonische Landschaft macht den langen Spaziergang entlang der repräsentativen Danziger Straße (Gdańska) noch reizvoller. Mal auf die rechte Straßenseite mit geraden, mal auf die linke mit ungeraden Hausnummern blickend, sehen wir hauptsächlich Werke einheimischer Projektanten. Gleich hinter der Kreuzung fesselt das Bürgerhaus Nr. 34  aus dem Jahre 1914 (Entwurf von Fritz Weidner), welches die malerische Strömung vertritt, unsere Aufmerksamkeit. Es kontrastiert zugleich mit dem neubarocken Haus Nr. 36  aus dem Ende des 19. Jh. (Entwurf von J. Święcicki).

Weiter vor uns stehen zwei prächtige Villen, die den Rundfunksender Polskie Radio beherbergen. Die erste von beiden, Nr. 48, spiegelt mit ihrer Milchkaffee-Farbe das ursprüngliche Kolorit der Fassade wider. Die Villa „Flora“ verdankt ihren Namen der nicht mehr vorhandenen Polychromie, die einst die Loggia verzierte. Das Objekt wurde von dem Berliner Architekten Heinrich Seeling entworfen und 1898 errichtet. Die Villa gehört zu den schönsten Beispielen der malerischen Strömung in der Architektur aus dem Ende des 19. Jh., die in Bromberg zu finden sind. Ihr Innenraum birgt Überbleibsel der reichen Einrichtung: prachtvolle Holzbauelemente, Holztäfelungen und eine Decke mit vergoldeten Verzierungen aus Pappmaschee. Im ehemaligen Garten im Hinterhof steht eine einzigartige polychrome Skulptur eines Reihers. Der Stadtrat und Mitgründer des Binnenschifffahrtsunternehmens (des späteren Bromberger Lloyds), Ernst Heinrich Dietz (1840-1901) konnte sich seines Wohnsitzes nur kurz erfreuen. Dieser blieb jedoch bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges im Besitz seiner Erben. Danach wurde er von der Polnischen Arbeiterpartei (PPR) und seit 1951 vom polnischen Rundfunk genutzt.

Die benachbarte Villa, Nr. 50, wurde 1900-1902 (Entwurf von Hildebrandt aus Berlin) für den damaligen Eigentümer der Fabrik für Holzwerkzeugmaschinen (Industriegeschichte Brombergs), Wilhelm Blum errichtet. Der Projektant ließ sich von der Villa Rotonda bei Vincenza aus der Feder des Architekten Andrea Palladio inspirieren und verlieh dem Wohnhaus Formen im Renaissancestil. Bedauerlicherweise blieb in dem umgebauten Innenraum im Erdgeschoss lediglich der vornehme Saal mit verglastem Plafond erhalten. Seit 1930 hatten hier das Haus des Polnischen Klubs und während des Zweiten Weltkrieges die NSDAP ihren Sitz. Am 1. Mai 1945 wurde von hier aus die erste polnische Radiosendung nach dem Zweiten Weltkrieg ausgestrahlt.

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Heinrich Seeling machte sich in Europa als Entwerfer von Theatern einen Namen. Zu seinen Werken gehörte auch das nicht mehr existierende Bromberger Stadttheater, das sich auf dem Theaterplatz (Plac Teatralny) befand. In seiner Karriere entwarf er nur zwei Kirchen: die protestantische Erlöser-Kirche (1896-1897) auf dem Erlöserplatz (Plac Zbawiciela) und die heute katholische St.-Andreas-Bobola-Kirche (1901-1903) am Kościelecki-Platz. Beide sind Aushängeschilder der Stadt.

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Bis 1940 stand auf der Spitze des Tympanons der Villa mit der Hausnummer 50 (Gdańska 50), in der Krönung der Fassade eine Urne mit der Asche des Hauseigentümers. In der Krönung der Fassade stand eine Urne mit der Asche des Gründers der Fabrik für Holzwerkzeugmaschinen, Carl Blumwe.
Jetzt befinden wir uns an der Kreuzung mit der Cieszkowskiego-Straße. Links unter der Nummer 63 steht ein besonders reiches neubarockes Haus des in Bromberg geborenen Baumeisters Józef Święcicki.

Um die Atmosphäre seiner Zeit zu spüren, lohnt es sich, kurz in die Cieszkowskiego-Straße abzubiegen. Sie wurde innerhalb von lediglich zehn Jahren (1894-
1904) abgesteckt und mit repräsentativen Bürgerhäusern bebaut. Über der Straße wacht an der Ecke des Hauses Nr. 22 die Skulptur eines Hellebardiers (6a) (1898, Entwurf von F. Weidner). Indem wir die Danziger Straße (Gdańska) weiter entlanggehen, kommen wir an den Parzellen Nr. 75 und 52 mit klassizistisch inspirierten Fassaden vorbei. Unter der Nummer 56 verbirgt sich dagegen das Kloster der Klarissen von der Ewigen Anbetung (9a) mit einer allgemein zugänglichen Kapelle, die in der ehemaligen Villa gelegen ist. Dem Prinzip des Ordens nach leben hier die Klarissen in Klausur.

Bevor wir die Kreuzung mit der 1903 abgesteckten Mickiewicz-Allee (Al. Mickiewicza) erreichen, lohnt es sich, den Blick auf das Bürgerhaus Nr. 60 zu richten. Carl Mezer, der städtische Baurat, der 26 Jahre lang die Bauverwaltung leitete und über das architektonische Antlitz Brombergs entschied, entwarf es für sich selbst. In der Fassade ist eine Frauenstatue zu sehen. Es handelt sich dabei um eine Personifikation der Architektur und des Bauwesens.
Jetzt gelangen wir zur Mickiewicz-Allee (Al. Mickiewicza), die nach rechts von der Danziger Straße (Gdańska) abgeht. An der Ecke erhebt sich ein Bürgerhaus (, das Rudolf Kern 1903-1904 als eigenes Haus errichtete.
Weiter der Danziger Straße (Gdańska) folgend stoßen wir auf das Haus Nr. 91. Es wurde von F. Weidner entworfen. Er spielte dabei mit Helldunkel, was für die Architektur der malerischen Strömung charakteristisch ist.

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F. Weidner kam als Vertreter des Installationsunternehmens seines Schwiegervaters nach Bromberg. Er wurde jedoch als Architekt und als Verbreiter von modernen Formen in der Bromberger Architektur berühmt. Selbst ging er den Weg von neobarocken Arbeiten bis zu besonders effektiven Ausführungen im Stil der malerischen Strömung.

Diesen Stil vertritt ebenfalls die repräsentative Villa Nr. 84 (1898-1899, Entwurf von Karl Bergner), die 1962-1992 durch den Verband der Bürgermiliz genutzt wurde. Etwas weiter kommen wir am Hauskomplex Nr. 86-96 vorbei. Realisiert wurde er von J. Święcicki, der sich dabei von der italienischen und Nordischen Renaissance inspirieren ließ. An der Kreuzung mit der Chodkiewicza-Straße sehen wir die funktionalistische Villa mit der Hausnummer 100 (1935, Entwurf von Paweł Wawrzon). Ein Stück weiter steht mit der Nr. 190 das Gebäude der ehemaligen Kriegsschule, später Offiziersschule aus dem Jahr 1913 (Entwurf von Arnold Hartman und Robert Schlezinger). Daran grenzt das Museum der Landstreitkräfte (1973, Entwurf von Zbigniew Kortas)  an. Noch ein Stück weiter sehen wir auf der gleichen Straßenseite Wohnblöcke, die etwas durch eine Allee verdeckt sind. Sieben von diesen Bauten aus den Jahren 1935-1939 vertreten die Strömung des Funktionalismus. Zum Schluss lohnt es sich, hinter der Kreuzung mit der Modrzewiowa-Straße hinter der Święcicki-Brücke etwas zu verweilen und das Wasserwerk- und Kanalisationsmuseum zu besichtigen. Es befindet sich in einem originalen Gebäudekomplex aus dem Ende des 19. Jh. Nach dem langen Spaziergang kann man sich jetzt im Waldpark Myślęcinek hervorragend erholen.

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1912 organisierte die Stadtverwaltung einen Wettbewerb, mit dem die schönste Fassade eines neu errichteten Bürgerhauses gefunden werden sollte. Die zwei gleichwertigen ersten Preise wurden Fritz Weidner für das Haus in der Dworcowa 12 und Rudolf Kern für das Bürgerhaus in der 20 Stycznia 1920-Straße Nr. 29 vergeben.

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Noch bis vor kurzem glaubten die Bewohner Brombergs, dass das Gebäude in der Gdańska 84 der berühmten Schauspielerin Pola Negri gehörte. Tatsächlich war sie Eigentümerin des Bürgerhauses in der Zamoyskiego-Straße 8, das sie für ihre Mutter kaufte. An der Gebäudewand hängt eine Pola Negri gewidmete Gedenktafel.

Variante II:
Während wir in die Śniadeckich-Straße abbiegen, machen wir einen Zwischenstopp an der bezaubernden Villa mit der Hausnummer 1. Errichtet wurde sie in den 70er Jahren des 19. Jh. im Stil der Neorenaissance und gehörte früher dem Stifter der Skulptur der Bogenschützin, Louis Aronshon. Heute beherbergt sie das Büro der Verwaltung der Städtischen Häuser. Der Innenraum birgt zahlreiche Elemente der ursprünglichen Einrichtung, insb. effektvolle Öfen. Weiter sehen wir mit der Nummer 25ein großstädtisches Mietshaus (1911, Entwurf von Geord Baesler) und gleich nebenan ein kleines eingeschossiges Haus mit Satteldach aus den Anfängen dieses Stadtteils. Gegenüber steht mit der Nummer 36 das neugotische Gebetshaus der Apostelversammlung aus dem Jahre 1864. Das Bürgerhaus mit der Nr. 42 dagegen, ebenfalls von Józef Święcicki, ist ein Bau mit interessanten Details, der in den Jahren 1882-1883 im Stil der Neorenaissance errichtet wurde. Wir gelangen jetzt an den Piastowski-Platz. Abgesteckt wurde er als Markt des sog. elisabethanischen Stadtteils aus der Mitte des 19. Jh., benannt nach Elisabeth Ludovika von Bayern, der Gattin des zu jener Zeit herrschenden Königs von Preußen, Friedrich Wilhelm IV. Es befanden sich hier ein Park und ein Marktplatz, der bis heute seine Funktion erfüllt. Es lohnt sich, den Blick auf die westliche Straßenfront zu richten. An der Kreuzung mit der Chrobrego-Straße 23 steht ein Bürgerhaus mit einer charakteristischen Hausecke, die mit einer Kuppel gekrönt ist. In der Wileńska 6  wurde der bereits erwähnte Marian Rejewski geboren. An dem Gebäude hängt eine Gedenktafel. Jetzt zurück zur Śniadeckich-Straße, welche eine Hauptachse des Stadtteils bildet. Dort sehen wir mit der Nummer 45 ein bezauberndes Bürgerhaus, das von der Skulptur eines kleinen Bären bewacht wird, sowie Torflügel mit Schmiedegittern. Früher waren in Bromberg Kunstschmiedeunternehmen sehr erfolgreich. Weiter in Richtung Matejki-Straße stoßen wir auf die neubarocke Herz-Jesu-Kirche(1910-1913, Entwurf von Oskar Hossfeld aus Berlin), die einst für deutschstämmige Katholiken vorgesehen war. Es lohnt sich, einen Blick in den Innenraum zu werfen, um die erhalten gebliebene Einrichtung aus der Zeit der Errichtung zu sehen. Indem wir den Spaziergang in Richtung des Bahnhofs fortsetzen, gelangen wir zur evangelisch-lutherischen Kirche am Erlöser-Platz (Plac Zbawiciela) (Entwurf von H. Seeling). Hinter ihr befindet sich ein interessanter Kasernenkomplex aus den 70er Jahren des 19. Jh. Wenn wir aber nach links in die Matejki-Straße und dann in die Bahnhofstraße (Dworcowa) nach rechts abbiegen, wird unsere Aufmerksamkeit durch ein monumentales neumanieristisches Gebäude mit einem Vorgarten gefesselt. Es wurde 1886-1889 für die damalige Direktion der Preußischen Ostbahn (Entwurf von Martin P. Gropius & Heino Schmieden, modifiziert durch den nationalen Bauinspektor Bergmann) errichtet. Die effektvolle Fassade aus Ziegelstein bildet einen Kontrast zu prachtvollen, bildhauerisch bearbeiteten Details aus hellem Sandstein. Der Bau der Eisenbahndirektion löste die Raumprobleme dieses für die Stadt wichtigen Amtes. Bereits 1849 wurde Bromberg Sitz der Königlichen Direktion der Ostbahn, die im gleichen Jahr in die europaweit erste Eisenbahnbezirksdirektion umgewandelt wurde. Seit 1853 befanden sich ihre Büros im Bahnhofgebäude, das trotz Ausbaumaßnahmen weiterhin zu wenig Raum bot. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite steht mit der Nr. 82  das Gebäude der ehemaligen Elementarschule. Sein für Gebäude des Bildungswesens jener Zeit so charakteristischer Umriss wurde seit dem Ausbau in der Mitte der 70er Jahre des 19. Jh. nicht verändert. Weiter in Richtung des Bahnhofs sehen wir mit der Nummer 65 den Sitz des Staatsarchivs. Es handelt sich um ein repräsentatives Wohn- und Bürogebäude mit einer hervorragend erhaltenen klassizistischen Fassung. Errichtet wurde es für die Brüder Theodor und Adolf Wulff. 1865-1876 führten diese eine Flusswerft und eine Stahlkonstruktionsfabrik. Aus dieser Zeit stammt die Ziegelproduktionshalle im Hintergrund.

Etwas weiter sehen wir in aller Pracht und Herrlichkeit das modernistische Bürgerhaus Nr. 67 (aus den Jahren 1912-1913), das von dem Berliner Buchhändler Erich Hecht nach dem Entwurf von Otto Walter aus Berlin errichtet wurde. An der einzigartigen Fassade machten es sich fantastische und mythologische Ungeheuer und über dem Haupteingang ein Reiter gemütlich. Über diesem befindet sich eine Kartusche mit dem Abbild eines Hechtes – gemäß dem Namen des Investors, Hecht. Über die Kreuzung mit der Königin-Hedwig-Straße (Królowej Jadwigi) gelangen wir zu zwei interessanten, einander gegenliegenden Bürgerhäusern Nr. 77 und 100  (Entwurf von Karl Bergner). Es scheint, als bildeten sie ein zur Stadtmitte hin geöffnetes Tor. Mit dem Rücken zum Bahnhof gewandt, bemerken wir an dieser Stelle, dass die Bahnhofstraße ab hier immer enger wird. Ihr weiterer Verlauf deckt sich mit dem mittelalterlichen Weg nach Koronowo. Wir drehen uns um und betreten auf geradem Weg das Gebäude des Hauptbahnhofs, wo unser Ausflug auch endet.

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Im Jahre seiner Gründung baute das Unternehmen der Brüder Wulff in seiner Werft das Flussdampfschiff „Germania“ mit einem Kettenantrieb. Es wurde zum Schleppen von Lastkähnen und Flößen genutzt. 1870 produzierte das Unternehmen die Konstruktion der Stahlbrücke über die Brahe, den Vorgänger der jetzigen Bernhardinerbrücke (Most Bernardyński).

Variante III:
Wir biegen nach rechts in die Krasińskiego-Straße ab. Dort steht an der Ecke mit der Danziger Straße (Gdańska 2) ein Bürgerhaus, das im Sinne der klassizistischen Strömung der Moderne durch Julius Knüpfer errichtet wurde. Weiter östlich kommen wir an der Leutnant-Leszek-Biały-Grünanlage mit einer charakteristischen Betonskulptur vorbei und gelangen in die einzigartige Gartenstadt. Ihre Entstehungsgeschichte reicht bis in die Mitte des 19. Jh. zurück. Zu jener Zeit erwarb die Stadtverwaltung das geräumige Gelände als Raumreserve für den zukünftigen Ausbau der Stadt. Gegen Ende des 19. Jh. begann man das Raumordnungskonzept zu schaffen, das sich auf die Idee der Gartenstadt stützte. 1912 entstand der endgültige Plan (erstellt durch Joseph Herman Stübben), der die Grundlage für die Anlegung des Stadtteils mit dem reizenden Namen Sielanka (dt. Idyll) bildete. Im Zentrum des Stadtteils wurde eine Grünanlage (der heutige Marian-Turwid-Platz – Plac im. Mariana Turwida) errichtet. Dieses Viertel erfreute sich einer großen Popularität unter der Bromberger Elite. Es wohnten hier Ärzte, Juristen, Architekten und Fabrikanten. In der Kopernikus-Straße (Kopernika 16) steht an der Ecke mit der Ossolińskich-Allee (Al. Ossolińskich) die sog. Niederländische Villa. Sie wurde um das Jahr 1933 von Antoni Weynerowski als Hochzeitsgeschenk für seinen Sohn Witold und seine Frau Julia errichtet (höchstwahrscheinlich stammt das Bauprojekt aus ihrer Heimat – Holland). Das Haus mit einem Lehrgerüstdach und einem wunderschönen Garten erschien in der Bromberg  gewidmeten Wochenschau aus dem Jahre 1937. Nach dem Krieg wurde die enteignete Villa zum Kindergarten. Die Familie, der das Haus gehörte, war ebenfalls Eigentümer der berühmten Schuhfabrik „Leo”, die nach dem Krieg in die Fabrik „Kobra“ (odnośnik do strony z trasą przemysłową) umgewandelt wurde. Der ehemalige Sitz des Kaufmanns Czesław Borys in der Sielanka-Straße 8a (5c) (1933, Entwurf von Jan Kossowski) wurde zum Standesamt und heißt heute Trauungspalais.
Jetzt verlassen wir dieses Stadtviertel. Über die Krasińskiego-Straße gelangen wir zur Danziger-Straße (Gdańska), wo wir nach links abbiegen, um die Altstadt zu erreichen.  
 

 

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Zeit: ca. 3 Stunden (im Waldpark Myslecinek zusätzlich 2 Stunden) Die ersten Gärten entstanden in Bromberg an Klöstern sowie am Stadtrand, wo die wohlhabendsten Bürger wohnten. In der Zeit der Teilungen Polens trug der Verschönerungsverein zu Bromberg (tätig in den Jahren 1832-1898) zur Begrünung der Stadt bei.