Etwa 17 km vom Zentrum Brombergs in Richtung Dąbrowa Chełmińska befindet sich in Ostromecko ein Park-Schloss-Komplex (Bydgoska-Str. 9). Das Neue Schloss wurde 1832-1849 nach Entwurf des Ateliers von Karl Friedrich Schinkel im Auftrag des damaligen Eigentümers von Ostromecko, Jacob Martin Schönborn, im klassizistischen Stil errichtet.

An das Hauptgebäude grenzt im Süden der neubarocke Flügel, das sog. Kleine Jagdschloss (1891-1892), und im Norden der Ballsaal aus dem Jahre 1905 an. Der Gebäudekomplex beherbergt heute ein Restaurant mit einem Hotelbereich. Auf der westlichen Seite befinden sich geräumige Terrassen (ungefähr aus dem Jahre 1912), die direkt zum Garten aus dem 19. Jh. führen. Dieser wurde im englischen Stil vom Landschaftsarchitekten Peter Joseph Lenné entworfen. Jetzt begeben wir uns in Richtung des Alten Schlosses, das etwas weiter unten im Garten liegt. Das Gebäude entstand in der heutigen Form in der Mitte des 18. Jh. infolge des Ausbaus eines Herrschaftshofes durch die Familie Mostowski. Das Schloss im Stil des Warschauer Rokokos beherbergt heute eine Klaviersammlung aus dem 18. und 19. Jh., die vom Ehrenbürger der Stadt Bromberg Andrzej Szwalbe zusammengetragen wurde. In diesem Gebäude wurde auch eine Gedenkkammer für ihn untergebracht. Von den Fenstern sowie von der Terrasse hinter dem Gebäude aus bietet sich ein malerischer Blick auf einen italienischen Garten sowie auf die Weichsel mit ihrem Altwasser. Im südwestlichen Teil des Schlossparks befindet sich ein Mausoleum der Familie Schönborn-Alvensleben, deren Mitglieder jahrelang Eigentümer von Ostromecko waren. Der Park-Schloss-Komplex, der unter der Obhut der Stadt Bromberg steht, ist ein wichtiges Kultur- und Unterhaltungszentrum der Stadt und der ganzen Woiwodschaft Kujawien-Pommern. Das Städtische Kulturzentrum in Bromberg veranstaltet hier zahlreiche Vernissagen, Ausstellungen und Musikkonzerte. In unmittelbarer Nachbarschaft des Park-Schloss-Komplexes befindet sich die Pfarrkirche der Heiligen Nikolaus, Stanislaw und Johannes des Täufers. Das Gotteshaus wurde 1630 im gotischen Stil errichtet. Der Kirchturm stammt aus dem Jahre 1764, als er vom damaligen Eigentümer von Ostromecko, dem Woiwoden Paweł Mostowski, wiedererbaut wurde; dessen Initialen lassen sich auf der Fahne der Kirchturmspitze erkennen. Der barocke Innenraum beherbergt u. a. gotische Skulpturen der Mutter Gottes mit Kind sowie eine Pietà. Überdies gibt es in Ostromecko viele interessante Bauwerke aus der Zeit, als das Gut der Familie Alvensleben gehörte, wie die Gebäude der ehem. Post, des Krankenhauses, der Postkutschenstation und das Bahnhofsgebäude aus dem Ende des 19. Jh. sowie die Ziegelei (heute ist das Ziegeleigelände der Sitz eines Mineralwasserbetriebs). Die ersten Informationen über das Wasser „Ostromecko“ stammen aus dem 16. Jh. Die Wasserförderung wurde 1894 eingeleitet. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges trug das hier gewonnene Wasser aus der Marienquelle den gleichlautenden deutschen Namen. Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Wasser aus Ostromecko, das für die deutsche Wehrmacht produziert wurde, u. a. nach Afrika geschickt, wo die Deutschen gegen die Briten kämpften.

Haben Sie das gewusst?
Mit Ostromecko ist eine Sage verbunden, die aus der Zeit stammt, als das Gut einem Ritter gehörte. Ihr zufolge rettete bei einer Schlacht ein Pferd des Eigentümers von Ostromecko dessen Leben. Leider wurde es dabei am Kiefer verletzt. Die Wunde war dermaßen groß, dass das Pferd nicht fressen konnte. Seine Überlebungschancen sanken. So rettete der Ritter sein geliebtes Pferd, indem er ihm einen goldenen Kiefer spendierte. Nach dem Tod wurde das Tier im Schlosspark begraben. Die Stelle, wo der Eigentümer seinen treuen Gefährten samt seinem goldenen Kiefer begrub, sucht man bis heute vergebens.




Haben Sie das gewusst?
Im Jahre 1894 kam aus Anlass der Eröffnung der Brücke in Fordon der deutsche Kaiser Wilhelm II. nach Ostromecko. Er hielt sich beim Eigentümer der dortigen Güter, Albrecht
von Alvensleben (1848 -1928), auf. Besonders interessant ist jedoch die Geschichte seiner Nachfolger. Sein ältester Sohn, Joachim Martin (1877 -1969 ), langjähriger Eigentümer des Majoratsgutes von Ostromecko, akzeptierte die neuen polnischen Machthaber nach dem Ersten Weltkrieg und unterhielt besonders freundschaftliche Beziehungen zu den Polen. Er war auch Initiator der Enthüllung des „Freiheitsdenkmals“ in Ostromecko anlässlich des 10. Jubiläums der Wiedererlangung der Freiheit durch Polen. Während des Zweiten Weltkrieges verbrachte er einige Jahre in Konzentrationslagern, wohin er auf Antrag seines älteren Sohnes Albrecht Werner – Mitglied der SS sowie des „Volksdeutschen Selbstschutzes“ und verantwortlich für den Tod vieler Polen – gelangte. Der jüngere Sohn Joachims, Ludolf, auch Lulu genannt, war dagegen eine Gestalt, die unter besonders positiven Vorzeichen in die Geschichte von Ostromecko einging.