Die Lage des zentralen Marktplatzes, wo wir uns jetzt befinden, wurde 1346 zum Zeitpunkt der Lokation der Stadt durch den König Kasimir den Großen ausgewiesen.

 Seine gegenwärtige Bebauung stammt vorwiegend aus dem 19. Jh. Von hier aus begeben wir uns in Richtung der ältesten Kirche der Stadt – der St.-Martin-und-St.-Nikolaus-Kathedrale in der Pfarrstraße (Farna). Dabei gehen wir an der ältesten Bromberger Apotheke „Zum goldenen Adler“ (Apteka pod Złotym Orłem) (Stary Rynek 1) sowie dem prächtigen Gebäude des ehemaligen Jesuitenkollegs aus dem 17. Jh., dem heutigen Rathaus, vorbei. Den Innenraum der Kathedrale betritt man durch die 500 kg schwere Bronzetür im Erdgeschoss des Turms . Beim Rundgang um die Pfarrkirche lohnt es sich, kurz am Pfarrwehr zu verweilen. Hier mündet der Fluss Młynówka, welcher die Mühleninsel umfließt, in die Brahe. Das Gebäude des heutigen Kleinen Wasserkraftwerks am Pfarrwehr war ehemals eine Grützmühle. Scharfsinnige Beobachter bemerken vielleicht in der Nähe, zwischen einigen Eiben, eine freistehende Skulptur aus dem 18. Jh. Es handelt sich um den heiligen Johannes Nepomuk, der vor Überflutungen schützen sollte.


Haben Sie das gewusst?
Noch zu Beginn des Zweiten Weltkrieges stand auf dem Altmarkt die ehemals jesuitische St.-Ignatius-von-Loyola-Kirche. Es geht die Sage, dass sich eines der Opfer des Naziterrors sterbend mit der Hand an einer Wand der Kirche abstützte. Die Hand hinterließ eine Blutspur, die auf keinerlei Weise entfernt werden konnte. So ließen die deutschen Besatzer die Kirche abreißen.


Wenn man den Fluss entlang geht, erreicht man die Brückenstraße (Mostowa). Dort bietet  sich uns der Blick auf das offizielle Stadtsymbol - die drei malerisch an der Brahe gelegenen Kornspeicher aus Fachwerk aus der Wende des 18. zum 19. Jh. Früher gab es in der Stadt viele solcher Getreidelager. Diese drei erhalten gebliebenen sind Eigentum des Leon-Wyczółkowski-Bezirksmuseums. Vor dem Haupteingang steht ein Modell der Stadt Bromberg in früheren Jahrhunderten. Es zeigt auch einige nicht mehr existierende Bauten: das Rathaus und die Jesuitenkirche am Altmarkt, die kleine romanische St.- Ägidius-Kirche, die Stadttore und die Bromberger Burg, welche während der Schwedeneinfälle zerstört wurde. Jetzt begeben wir uns in Richtung der Jerzy-Sulima-Kamiński-Brücke, um dort das oft fotografierte Stadtpanorama zu bewundern. Die Skulptur über dem Fluss ist der geschickt auf einem Seil balancierender „Seiltänzer“  (Entwurf von Jerzy Kędziora) und wurde aus Anlass des EU-Beitritts Polens 2004 enthüllt. Das kleine „Palais“  (Entwurf von Waldemar Jenisch) im Stil des niederländischen Manierismus am rechten Flussufer wurde 1885-1886 errichtet und beherbergte früher u. a. den Sitz eines der größten Schifffahrtsunternehmen in der Zweiten Polnischen Republik – des Bromberger Lloyds.

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Die St.-Johannes-Nepomuk-Skulptur an der Kathedrale ist eine der ältesten freistehenden Skulpturen des Heiligen und die älteste Skulptur in Bromberg überhaupt.


Die Replik der Bromberger Burg befindet sich am Haupteingang zur BRE-Bank in der Grodzka-Straße. Unweit dieser Stelle erhob sich einst eine prächtige Burg, umgeben von einem Burggraben. Der Sage nach wohnte dort in Urzeiten ein grausamer Kastellan namens Karolus zusammen mit seiner wunderschönen Tochter Angelika. Der Vater fürchtete eine baldige Heirat des Fräuleins so sehr, dass er sie Tag und Nacht im Burgturm unter Verschluss hielt. Eines Tages verliebte sich Angelika in einen der Gefangenen ihres Vaters – den Prinzen Jarosław, und befreite ihn ungeachtet des Zorns des Vaters. Zwei Tage später kehrte Jarosław zurück, um seine Geliebte zu holen. Ein grausamer Kampf entbrannte, in dem der Jüngling den Tod aus der Hand eines Ritters mit einem schwarzen Visier erlitt. Angelika, die seinen Tod rächen wollte, fiel dem unbekannten Krieger in den Rücken. Als er tot zu Boden fiel und die Kastellantochter sein Visier hob, sah sie ihren Vater. Aus Verzweiflung über ihre Tat stürzte sie sich ins Wasser der Brahe. Von da an kam sie jede Nacht als eine Erscheinung zur Burg und suchte in allen Gemächern ihren Geliebten und ihren Vater.

Wenn man die zum Kai führende Treppe hinuntergeht, lohnt es sich den Blick zu heben, um den Reichtum der neobarocken Formen des Bürgerhauses an der Ecke der Straße Stary Port 1-3 zu sehen. Es ist ein Werk des berühmten Bromberger Baumeisters  Józef Święcicki. Am Kai biegen wir nach rechts ab und gehen der Brahe entlang in Richtung des monumentalen Opernhauses Opera Nova. Links kommen wir an der St.-Barbara-Insel  vorbei, hinter der das schlanke Profil der Kathedrale emporsteigt. Dann betreten wir den Steg, welcher den Kai und die Mühleninsel miteinander verbindet. Nun zeigt sich uns das modernistische Opernhaus, welches malerisch an einer Biegung der Brahe liegt. Das Gebäude wurde 1961 von Józef Chmiel und Andrzej Prusiewicz entworfen und über 30 Jahre lang (1973-2006) gebaut. Es ist nicht nur ein Veranstaltungsort für musikalische Darbietungen, sondern auch ein wichtiges Konferenzzentrum. Am anderen Flussufer ist auf der westlichen Seite der Mühleninsel das moderne und harmonisch in die Umgebung eingebettete Gebäude des Yachthafens Przystań Bydgoszcz (Entwurf des Büros APA Rokiccy) gut sichtbar. Es wurde 2012 fertiggestellt und hat bereits die Herzen der Bewohner Brombergs erobert sowie zahlreiche renommierte Preise für seine originelle Architektur gewonnen. Über den Steg erreichen wir die Mühleninsel, eine grüne, sechs Hektar große Oase mitten in der Stadt. Jetzt kommen wir an dem ältesten Objekt auf der Insel vorbei, dem sog. Weißen Speicher  aus dem Ende des 18. Jh. Er beherbergt heute archäologische Sammlungen des Bezirksmuseums. Wenn wir am künstlichen Kanal (dem sog. Międzywodzie) entlang gehen, haben wir zu unserer Linken das Gebäude des Europäischen Geldzentrums. Es wurde an der Stelle der ehemaligen Bromberger Münzstätte, die 1594-1688 in Betrieb war, errichtet. Daneben steht eine ehemalige Dampfmühle, der sog. Rote Speicher, heute eine Galerie für Moderne Kunst.

Den zentralen Teil der Bromberger Insel stellt ein Mühlenkomplex aus den Jahren 1848-1849, die wuchtigen Rothermühlen, dar. Das malerische, gelbe Gebäude, das ihnen gegenüber steht, ist das sog. Leon-Wyczółkowski-Haus. Dort können Gemälde, Grafiken wie auch das Atelier des Namensgebers des Bromberger Museums bewundert werden. Inzwischen gehen wir auf die andere Seite der Straße mit dem vielsagenden Namen Münzstraße (Mennica) und begeben uns in Richtung der Bürgerhäuser, die sich über der schnellen Strömung des Flusses Młynówka erheben. Dieser Gebäudekomplex, der einst beinahe direkt aus dem Wasser emporstieg, wird Bromberger Venedig genannt. Vor langer Zeit errichteten hier reiche Stadtbewohner ihre Werkstätten und Betriebe, u. a. Färbereien, Destillationsstätten und Sägewerke. Auch eine Badeanstalt war hier in Betrieb. Zuerst über einen Steg über die Młynówka und dann über eine enge Gasse erreichen wir die Langstraße (Długa, ehemals Platea Longa). Im Mittelalter war sie der wichtigste Weg in der Stadt. Heute zählt sie 640 Meter. Wir biegen nach rechts ab und nach ein paar Schritten gelangen wir schon auf den Wollmarkt (Wełniany Rynek). Das Denkmal, das hier steht, stellt den letzten Oberbürgermeister der Stadt der Vorkriegszeit, Leon Barciszewski (Entwurf von Sławoj Ostrowski) dar. Er wurde im November 1939 zusammen mit seinem 18-jährigen Sohn an einer unbekannten Stelle von den Nazis ermordet. Erheben wir jetzt den Blick zum Bürgerhaus am Wełniany Rynek 4. Scharfsinnige erspähen dort zwischen den Fenstern der dritten Etage eine Kanonenkugel. Höchstwahrscheinlich ist diese ein Überbleibsel des Kościuszko-Aufstands im Jahre 1794.

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Die 100 Dukaten des Königs Sigismund III. Wasa, welche 1621 in Bromberg geprägt wurde, gehören zu den schönsten und wertvollsten Münzen in der Geschichte Europas. 2008 wurde sie bei einer Versteigerung in New York für eine berauschende Summe von 1.380.000 Dollar verkauft. Dadurch sind sie bis heute die teuersten polnischen Münzen überhaupt.


Auf dem Wollmarkt (Wełniany Rynek) befand sich einst das Posener Tor (Poznańska), in dem der städtische Henker wohnte. Er war mit einem armen Schneider namens Janek befreundet. Eines Tages stieß der Jüngling bei einem Spaziergang mit seiner Geliebten auf einen reichen Kaufmann, der sich in Janeks Geliebte verliebte und ihr versprach, sie wie auch ihre Familie nach der Heirat mit Reichtum zu überschütten. Dieser gewagte Vorschlag verärgerte den Schneider so sehr, dass er sich mit erhobenen Fäusten auf den Fremden stürzte. Nach diesem Vorfall wurde Janek festgenommen und zum Tode verurteilt. Der Henker, der seinen Freund sehr bedauerte, beschloss ihm zu helfen. Sie vereinbarten, dass der Henker Janeks Ketten vor dem Betreten des Marktes lockern würde, damit er in Richtung des Posener Tors fliehen könne. Dieses war gerade an jenem Tag unbewacht. Alles verlief wie geplant. Am Tor wartete auf den Schneider bereits seine Geliebte und zusammen verschwanden sie im Nebel. Die Leute riefen „Schnappt ihn, schnappt!“, und an der Stelle, wo die Verliebten spurlos verschwanden, liegt bis heute die Schnappstraße (Chwytowo).

muzeum mydla bydgoszczWir kehren zurück in die Langstraße (Długa). Obwohl diese Geschäftsstraße ihre ursprüngliche Bedeutung als städtisches Handelszentrum bereits eingebüßt hat, kann man zwischen den stilvollen Bürgerhäusern, welche hauptsächlich aus der Wende des 18. zum 19. Jh. stammen, die Atmosphäre des ehemaligen Bromberg spüren. Besonders sehenswert sind hier das einzigartige Museum für Seife und Geschichte des Schmutzes  (Długa 13-17) sowie das Bürgerhaus  (Długa 22), aus dem 17. Jh., wo der Maler und Professor der Königsberger Kunstakademie Maksymilian Piotrowski (1813-1875) geboren wurde. Der Überlieferung nach machte hier auch der König Johann III. Sobieski 1676 bei seiner Reise über die Weichsel nach Danzig Halt. Der Gebäudekomplex des Bürgerhauses besteht von der Seite des Hofs her aus hochinteressanten zweistöckigen Kellern. Auf der Höhe der Batorego-Straße biegen wir nach rechts und begeben uns in Richtung des Denkmals von Kasimir-dem-Großen. Dieser war einer der herausragendsten Monarchen in der Geschichte Polens. Während er ernst auf uns blickt, hält er in seiner linken Hand eine Rolle – die Lokationsurkunde von Bromberg. Das Denkmal (Entwurf von Mariusz Białecki) wurde an dieser Stelle 2006 enthüllt. Hinter uns dagegen erhebt sich das monumentale Gebäude des Bezirksgerichts aus dem Jahre 1906. Links von dem Denkmal befindet sich zwischen den Bürgerhäusern ein reizvoller Fachwerkspeicher aus dem 19. Jh., der die orthodoxe St.-Nikolaus-Kirche beherbergt. Es lohnt sich in diese Richtung zu gehen, um die Überreste der Stadtmauern, welche einst die Stadt vom Süden her umgaben, zu sehen. Zusätzlich gibt es dort die einzige teilweise erhalten gebliebene Bastei  der ehemaligen Befestigung.

Wieder kehren wir zurück in die Langstraße (Długa). Dort biegen wir nach rechts in Richtung der Kreuzung mit der Johann II. Kasimir-Straße (Jana Kazimierza) ab. Auf der Höhe des ehemaligen Sitzes des Magistrats, des heutigen Rathaushotels (Ratuszowy) auf der linken Seite, wenden Sie Ihren Blick nach unten. Dort, zu Ihren Füßen, finden Sie die Bromberger Autogramme. Es handelt sich um abgebildete Unterschriften von Persönlichkeiten, die sich um die Stadt besonders verdient gemacht haben. Unter ihnen sind Zbigniew Boniek, Irena Santor oder auch Jan Kulczyk.
Während wir uns die weiteren Autogramme anschauen, gelangen wir an die Kreuzung mit der Johann II. Kasimir-Straße (Jana Kazimierza). Die dort stehende orange Straßenbahn aus dem Jahre 1955 erfüllt in der Hochsaison die Funktion einer Touristeninformation. Es ist schwer zu glauben, dass die Straßenbahnen früher in der Langstraße auf zwei Linien, der „roten“ und „grünen“ Linie, verkehrten. Am südlichen Ende der Johann II. Kasimir-Straße befindet sich ein Stein zum Gedenken an die Bromberger Juden. Genau an dieser Stelle erhob sich vor dem Krieg eine monumentale Synagoge aus dem Jahre 1882 (Entwurf von Albert Muttray), die 1939 von den Nazis abgerissen wurde.
 
Der Johann II. Kasimir-Straße folgend begeben wir uns jetzt in Richtung Altmarkt. Die ganze Bebauung auf der westlichen Straßenseite bildet das Gebäude der öffentlichen Dr.-Witold-Bełza-Woiwodschafts- und Stadtbibliothek, das im 18. Jh. für die Bedürfnisse der preußischen Verwaltung errichtet wurde. Heute wird dort die Sammlung der ehemaligen Bibliothek des Bromberger Bernhardinerklosters aufbewahrt. Es handelt sich dabei um die älteste erhalten gebliebene Büchersammlung der Stadt, deren Anfänge bis ins späte 15. Jh. zurückreichen. Vor dem Haupteingang der Bibliothek befindet sich die bezaubernde Brunnenskulptur „Mit einer Gans spielende Kinder“- ein Werk von Karl P. Kowalczewski, das seit 1909 den Altmarkt schmückt. Ursprünglich stand es vor der Apotheke „Zum goldenen Adler“, weil es von deren Eigentümern, der Familie Kupffender, aus Anlass des hundertjährigen Jubiläums der Apotheke gestiftet wurde. Über die Magdzińskiego-Straße erreichen wir die historische Markthalle(Entwurf der Berliner Architektengesellschaft Boswau & Knauer), die 1906 ihre Tore zum ersten Mal öffnete. Über dem Halleneingang befindet sich ein beeindruckendes Stadtwappen. Im Innenraum dagegen fällt die Dachkonstruktion aus Stahl auf. In der Vergangenheit handelte man hier mit Fleisch, Fischen, Krebsen und Meeresfrüchten. Die Sichtachse vom
Altmarkt über die Magdzińskiego-Straße schließt die neogotische St.-Andreas-Bobola-Kirche mit einem schlanken Uhrturm ab, die den Kościelecki-Platz beherrscht. Das Gotteshaus wurde durch den Berliner Architekten Heinrich Seeling entworfen und 1903 für die Protestanten der Stadt errichtet. Es mag überraschen, dass die heute von den Jesuiten betreute Kirche nach wie vor das höchste Gebäude in Bromberg darstellt (75 m).
Von der Markthalle aus bewegen wir uns jetzt über die Podwale-Straße (angelegt an der Stelle des ehemaligen Burggrabens) in Richtung des Fischmarktes (Rybi Rynek). Wir biegen in die Kręta-Straße ab, die uns erneut, etwas bergauf, zum Altmarkt führt. In der Kręta-Straße 3 befindet sich ein interessantes Ziegelgebäude. Dieses war früher ein Teil des Industriekomplexes von Hermann Franke. Heute beherbergt es den berühmten Musikklub „Eljazz“. Zum Eingang führt eine mit Noten bedeckte Treppe; es handelt sich dabei um die Notation des Jazz-Standards von Miles Davis, „Seven steps to heaven“ (für die Bedürfnisse der dreistufigen Klubtreppe wurde der Name auf „Three steps to heaven“ geändert).
Wenn man den Hauptmarkt in der Stadt betritt, lohnt es sich, den Blick auf das Bürgerhaus an der Ecke (Stary Rynek 15) zu richten. In einem seiner Fenster im Dachgeschoss erscheint genau um 13:13 und um 21:13 der Meister Twardowski. An der Ecke des Altmarktes und der Batorego-Straße dagegen befindet sich das Kunstcafé Węgliszek. Sein Schaufenster schmückt das Abbild des gleichnamigen Teufels, welcher selbst mit Meister Twardowski Machenschaften hatte.

 

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